Nachricht aus Molepolole

Vor fast einem Jahr wanderte unser Vereinsmitglied und Deutschteamleiter Gerold Böning mit seiner Frau Shale in ihr Heimatland Botswana aus. Gestern erhielt ich per Email seinen Reisebericht, den er von seinem Bustrip von Gaborone (Hauptstadt Botswanas) nach Maun (Stadt am südöstlichen Rand des Okavango-Deltas) gemacht hat. Diese Beschreibung aus erster Hand finde ich so interessant, dass ich sie gern (mit Gerolds Einverständnis) allen zugänglich machen möchte.

Viel Spaß damit!

Gabi Schwenker

Reisebericht von Gerold Böning:

Um 20:30 Uhr fuhr der Bus nach Maun im Okavango Delta vom Busbahnhof Gaborone los. Kurz vor acht sammelten sich die Fahrgäste im Dunkeln auf dem unbeleuchteten Parkplatz neben dem Gaborone Hotel. Zuerst waren es nur zwei, drei aber dann fuhr ein Kombi mit Fahrgästen und mit Anhänger vor, auf dem sich die Gepäckstücke stapelten. Der Manager der Nachtlinie nach Maun erzählte, während wir auf das Eintreffen des Busses warteten, dass viele Fahrgäste Flohmarkthändler seien, die in Südafrika einkaufen und dann in Maun verkaufen. Händler aus Lesotho wiederum kommen mit Kombis, die sie in Gaborone parken, um mit dem Nachtbus nach Sambia fahren, und dort handgefertigte Waren erstehen, Sambier wiederum kaufen in Botswana die billigen chinesischen Waren, die es in Sambia nicht gibt. So ist der Bus nicht nur Personen- sondern auch Stückguttransporter. Von außen sieht der Bus sehr gut aus, allerdings sind die Sitze sehr schmal und die Fenster undicht, so daß ich über meine Riesendecke froh war. Wir kamen durch Nebelbänke, Regen und streckenweise war die Straße eine Mondlandschaft, was den Fahrer zum Slalom bei 30 kmh zwang. Die meiste Zeit waren die Straßen aber gut und ich bewunderte den Fahrer für seine Konzentrationsleistung, bei mir reichten wenige Sekunden Blick auf die Straße, dass mir die Augen zufielen. Regelmäßig wurden Toilettenpausen gemacht und eine Polizeikontrolle fand auch statt. Um sechs Uhr morgens spuckte der Bus uns in der Morgendämmerung am Busbahnhof aus, wo wir von sprintenden Taxifahrern empfangen wurden, deren Ziel der Platz ganz vorne an der sich öffnenden Bustür war. Schon beim Einfahren in Maun fiel mir der feine weiße Sand auf den Straßen auf, im Unterschied zum wegen des hohen Eisengehaltes roten Sand in Molepolole . Es war unter 10 Grad, bewölkt und windig. Auch die höhere Luftfeuchtigkeit bemerkte ich beim Atmen. Während ich mir die Hosenbeine mit Reißverschluss verlängerte, wurde ich gefühlt 10 Mal gefragt, ob ich nicht ein Taxi bräuchte, aber nach diesen vielen Stunden im Bus war mir eher nach Bewegen. Das Larissa Hotel, in dem ich gebucht hatte, liegt laut Google direkt neben dem Busbahnhof. Vergeblich suchte ich und fragte Leute - so ein Hotel ist ja keine Stecknadel. Später fand ich es am entgegen gesetzten Ende von Maun. Na gut, dann eben erst mal nach einem Kaffee schauen gegen den pochenden Schädel, aber auch hier kein Erfolg, alle Restaurants waren noch zu. Eine Straßenhändlerin fand ich dann, die Ricoffie anbot, mit heißem Wasser aus der Thermosdas, das war besser als nichts. Die Frauen des Nachbarstandes machten Bemerkungen über meine mitgebrachten Stullen, die ich dazu aß, in Setswana, weil sie ja davon ausgehen, der Lekgoa (also Ich ) versteht es ja nicht. Ich ließ sie in dem Glauben. Dann ging ich zum Fluss runter, etwa 10 Minuten zu Fuß. Das Wasser ist flach und klar und ich genoß den Anblick. Beim Fotografieren ließ ich die dümpelnden Getränkedosen aus dem Fokus. Inzwischen war auch die Sonne da und es wärmte angenehm auf. Der Fluß ist schilfgesäumt und die prächtigen Bäume am Ufer haben immer Wasser. Auch große Wasservögel sind zu sehen und ich hole das Fernglas raus. Im Wimpy fand ich dann richtigen Kaffee und ein deftiges Frühstück. Ich sehe viele Weiße, eine deutsche Touristengruppe und riesige geländegängige Safaribusse. Ich suche mir die Unterkunft heraus, die meine Tochter über Airbn ausgemacht hat. Sie liegt am Rand von Maun. Die Unterbringung ist in Steilwandzelten mit Toilette und Dusche. Es gibt eine Gemeinschaftsküche im strohgedeckten Haupthaus und in der Ecke steht eine Singer Nähmaschine. Der Garten geht bis an den Fluß. Ich rufe meine Tochter Tebbi an und schicke ihr Fotos und buche für sie und Familie 5 Nächte.

Nachmittags in Larissas Hotel wurden mir erst mal zwei Räume zur Auswahl angeboten.

    

Nun schnellstmöglich unter die Dusche - ich stand gerade ohne Bekleidung da, als die Köchin mit der Menuauswahl für das Abendessen vor der Tür stand. Ich ließ mir die Speisekarte durch den Türspalt reichen. Bevor ich die Dusche erreichte, erschien die Empfangschefin und wollte mich in ein größeres Zimmer umziehen lassen, man hätte einen Fehler gemacht. Wiederum durch den Türspalt lehnte ich höflich ab, mein jetziges Zimmer gefalle mir gut. Kaum war ich aus der Dusche raus, war die Köchin erneut an der Tür und wollte meine Menuwahl wissen. Wenig später, als ich mich zum Schlafen begeben hatte (der Nachtbus steckte mir noch in den Knochen) war die Köchin noch mal an der Tür: „Sorry to disturb you. Which drink are you drinking to your supper?“ Danach war erst mal Pause in der Intensivbetreuung. Am nächsten Tag machte ich eine Wanderung entlang der anderen Flußseite durch Maun. Es startete mit Sandwegen am Fluss mündete dann aber an der Teerstraße. Ich lief auf Sandwegen neben der Straße. Es gab auf den 6 km mindestens ein Dutzend Lodges und Hotels. Der Zugang zum Fluss war durch Grundstücke blockiert. Nach dieser Erfahrung suchte im mir für den dritten Tag und letzten vor der Abreise einen Rundweg zum Wandern auf der südwestlichen Seite von Maun der mich 15 km ins Delta führte. Ich startete morgens um 8 Uhr.

Nach einem Stück entlang der Teerstraße bog ich auf einen breiten Weg mit weißem pulverig feinen Sand. Es war ein müheloses Laufen immer geradeaus und die Büsche verströmten einen fruchtig aromatischen Duft. Ich war in allerbester Stimmung und hatte mit meinem leichten Gepäck das Gefühl zu schweben. An beiden Wegseiten stehen Bäume, die angenehmen Schatten werfen. Nachdem mich offene Safarifahrzeuge mit schnatternden Touristen überholten, wurde mir klar, dass ich in Richtung Tierbeobachtung unterwegs war. Bald kam ich nach Boro 2, einem Dorf, dessen Compounds weitflächig auseinander liegen und mit diesen hunderten von Metern zum Nachbarhof ein ganz eigenes Lebensgefühl vermittteln. Es gibt mehrheitlich Roundavles mit Strohdach im Unterschied zur festen Bebauung in den Orten. Nun geht geht der Weg noch 1 km weiter am Ende gelange ich in ein weit umzäuntes Bebauungsgebiet. Ob ich Elefanten und Löwen sehen wolle, fragten mich Bauarbeiter. Man erklärte mir, dass ich zurück muss, um vor dem Zaun nach Norden abzubiegen in Richtung Okavango. Glücklicherweise kam ein junger Mann mit mir, der sich als Marius vorstellte. Er bietet Touren im Mokoro, dem Einbaum Boot an, das durch die Wasseradern des Deltas gestakt wird. Er trug eine Plastiktüte mit frisch gefangenem Fisch, mit dem er nach Maun unterwegs war. Er zeigte mir den Abzweig und gab mir seine Telefon Nummer. Am Fluss so erklärte er mir, sei die Stelle, an der die Elefanten sich oft aufhielten und ich solle vorsichtig sein, vor ein paar Tagen sei eine Frau in der Nähe von einem Elefanten getötet worden. Kurz bevor ich am Fluss ankam, begegnete ich einem jungen Mann im Auto, der mich nach einem 10er Schraubenschlüssel oder einem Engländer fragte. Leider nein, er dachte wohl, ich hätte mein Auto um die Ecke. Er lud mich noch zu seinem Hof ein, sein Neffe sei dort und ich könne dort gerne chillen, er sei auch gleich wieder zurück. Der Fluss ist an der Stelle nicht breit, an der ich auf ihn traf. Eine Kuh watete gerade durch ihn zum anderen Ufer und ich begann seinen Uferwindungen Richtung Westen zu folgen.

   

Bald fühlte ich mich sicher vor Beobachtern und stieg in das kühle Wasser - herrlich erfrischend und meine Energien erneuernd. Ich folgte dem Ufer und fand bald einen Weg geradeaus die Flußwindungen vermeidend in meine Richtung. Es waren noch vier Kilometer bis zum Weg, den ich mir auf der Karte ausgeguckt hatte, der entlang des Schutzgebietes führte und auf dem ich zurück nach Maun laufen wollte. Irgendwie wurde aber der Sand immer tiefer und beschwerlicher zu laufen. Ich trat in ein Stück Stacheldraht, das sich durch meine Schuhsohle in meinen Hacken bohrte und jedes Mal, wenn ich bei Google Maps schaute, war ich wieder aus der Richtung. Irgendwann schlug ich mich dann durchs Gestrüpp und verfing mich in Dornenzweigen, die ich nur mit einem Stock von meiner Rückseite loszerren konnte, zum Anfassen war er einfach zu stachelig. Dann erreichte ich aber endlich den anvisierten Weg. Ich mußte mehrfach bei Google kontrollieren, so unscheinbar sah er aus, und ich lief ihn auch erst in die falsche Richtung, so desorientiert war ich inzwischen. An der Stelle sah ich eine große sehr schöne Lodge mit prächtigen Reet gedecken Häusern. Nun hatte ich endlich wieder einen sichen Weg und das Suchen war vorbei. Allerdings ging mein Wasser zur Neige, doch nach drei Kilometern traf ich auf einen kleinen Hof mit zwei Männern, die meine Flasche freundlicherweise wieder auffüllten. Sie waren neugierig woher ich käme und wohin ich wolle und einer von ihnen meinte, ich wolle mir wohl die Gegend anschauen. Ja, sagte ich, die Schönheit Botswanas - the beauty of Botswana. Der Sandweg machte nun einen Schwenk nach Süden in Richtung Maun. Bald traf ich auf einen kleinen See. In dem flachen und von Rinderhufen getrübten See nahm ich erneut ein Bad, das mich abkühlte und entspannte. Wieder unterwegs wurde ich im nächsten Dorf nach meinem Ziel gefragt und warum denn zu Fuß nach Maun. Aus Gründen der Fitness erwiderte ich, dabei ist es mehr so, dass Laufen mir einfach Spaß macht. Nun waren es noch acht Kilometer und 90 Minuten bis zum Dunkelwerden, Im Hellen war der Weg also nicht mehr zu schaffen. Von dieser Sorge wurde ich kurz darauf von einem herannahenden Landcruiser erlöst, dessen weißer Fahrer mich fragte, woher ich denn käme. Ich war hilflos, ihm das an Hand von Ortsnamen zu erklären und sagte ihm: „Just from the bush.“ Er gab mir einen Lift wie es hier heißt und ich war vom Laufen so steif, daß ich im Zeitlupentempo auf die Ladefläche kletterte. Da stand ich dann neben einem jungen Einheimischen im Fahrtwind. Er erzählte mir von vielen Elefanten, die sie am Zaun des Naturparks gesehen hätten. Ich hatte diesbezüglich an diesem Tag kein Glück. Dafür hatte ich an diesem Tag tolle Natur erlebt. Am nächsten Tag war Rückreise mit dem Nachtbus und ich ließ es mir im Restaurant und dem Cafe gut gehen und spürte meinen Muskeln nach, die sich langsam wieder lösten. 

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